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Mit der von ihm in Paris herausgegebenen Karte und dem die Karte begleitenden Memoire schrieb sich Delisle das wesentliche Verdienst an den Erfolgen der russischen Expeditionen im Pazifischen Ozean zu. Das rief in Ruland Verrgerung hervor. Nur aus dieser Situation heraus ist zu verstehen, da Mller in dem „Schreiben eines russischen Offiziers“ mit Nennung des Namens deutlich gegen Delisle Stellung nahm. Mller gab eine recht detaillierte Schilderung der beiden Bering-Expeditionen und analysierte die russischen Forschungsergebnisse. Besonderes Augenmerk richtete Mller auf die Chronologie der Ereignisse. Delisle hatte geschrieben, da eine Karte und ein Memoire, die er der Kaiserin Anna vorgelegt hatte, den Ansto zur zweiten Expedition gegeben htten. Mller stellt richtig: Es gab eine Weisung der Kaiserin, die vom Senat an die Akademie weitergeleitet worden war. Von der Akademie hatte Delisle den Auftrag erhalten, auf Grund der Ergebnisse der ersten Bering-Expedition Vorschlge fr eine neue Expedition vorzulegen. Delisle hat also, wie Mller betont, mit den der Kaiserin vorgelegten Materialien, Karte und Memoire, keine von ihm ausgehende Initiative gezeigt, sondern eine zentrale Weisung erfllt [10]. Und auf Grund der Ergebnisse der beiden von Bering geleiteten Expeditionen kommt Mller zu dem Schlu, da die Angaben Delisles diese Forschungen eher behindert als gefrdert htten, da damit die Fahrten im nrdlichen Teil des Pazifik viel zu sehr nach Sden gelenkt worden wren wo die von Delisle angegebenen Inseln und Kontinente – Gamaland und Kompanieland – sich als nichtexistente Phantasiegebilde erwiesen.

Mit vielen Details schildert Mller die Fahrten von Bering und irikov vom Kamtschatka aus nach Osten bis an die Ksten Amerikas sowie die Fahrten von Spanberg von Kamtschatka aus nach Sden in Richtung Japan. Aus den Schilderungen Mllers erfuhr die wissenschaftliche Welt vom Tode Berings auf der Bering-Insel.

Und dann berichtigt Mller einen weiteren Fehler Delisles, der behauptet hatte, seine Karte zeige die Nordkste Asiens von Archangelsk bis zur Mndung der Kolyma in das Eismeer nach den neuesten russischen Entdeckungen, in der Realitt hatte Delisle jedoch die Angaben des russischen Atlas von 1745 bis in das kleinste Detail bernommen [11]. Und im letzten Teil seines „Schreibens eines russischen Offiziers“ zhlt Mller viele Fehler in den Darlegungen Delisles auf, so heit es, da Hudson in den ersten Jahren der Regierung des englischen Knigs Karls I. seine Entdeckungsreise angetreten habe – Hudson war 1610 gestorben, Karl I. bestieg 1625 den Thron [12]. hnliche Fehler zhlt Mller mehrere auf. Seine Schlufolgerung lautet:

„Sehr tuschen sich jene, die in Frankreich von Herrn Delisle eine genaure Karte erwartet haben, als wir sie herausgeben knnen.“ [13].

Der aggressive Ton und die einseitige Darlegung in der Schrift Delisles war unter anderem in Frankreich selbst und auch in England auf Ablehnung gestoen. Unter diesen Umstnden bedeutete das „Schreiben eines russischen Offiziers von der Flotte“ fr alle Gegner Delisles eine wesentliche Untersttzung. In England wurde von Arthur Dobbs die Schrift Mllers 1754 in englischer bersetzung verffentlicht, wobei als Anhang auch die Schrift Delisles in englischer bersetzung beigefgt war [14]. Dobbs erwartete, wie er im Kommentar schreibt, viel von den weiteren Forschungen der Russen: Sie „verdienen wirklich schon durch die Entdeckungen, welche sie bereits gemacht haben, groe Lobsprche.“ [15].

Abschlieen sei auf die Diskussion hingewiesen, die in England, Frankreich, der Schweiz, Holland und Deutschland ber die Schrift Delisles und die russischen Entdeckungen im Pazifikraum gefhrt worden ist. Grundlagen fr diese Diskussionen boten zwei in Ruland erschienene Publikationen. Das war Kraeninnikovs Werk „Beschreibung Kamtschatkas“ von 1755 (1764 wurde die englische, 1766 die deutsche, 1767 die franzsische und 1770 die hollndische Ausgabe verffentlicht) und dann Mllers „Nachrichten von Seereisen“ (1758 im 3.

Band der „Sammlung Russischer Geschichte“ verffentlicht), von denen 1761 eine englische (Zweitauflage 1764) und 1766 in Amsterdam eine franzsische bersetzung erschienen ist. In den „Nachrichten von Seereisen“ geht Mller auf die Diskussion mit Delisle ein und schreibt, da Delisle „sehr unzulngliche Nachrichten gehabt habe“ und da er sich und seinem Bruder Delisle de la Croyre „unbegrndet [...] die Ehre dieser Entdeckungen zueignen wollen.“ [16].

Etwa zehn Jahre sptern griff Stellers „Beschreibung von dem Lande Kamtschatka“ (Frankfurt am Main/Leipzig 1774; Reprint Stuttgart 1974, Neuausgabe Bonn 1996) in diese Diskussion ein.

Diese Diskussionen habe ich ausfhrlich in meiner ungedruckten Dissertation dokumentiert [17]. Hier mchte ich mich auf einige zusammenfassende Bemerkungen beschrnken. Die Stellungnahme von Dobbs hatte Euler gleich nach Erscheinen als selbstndige Broschre ins Deutsche bersetzen lassen. Zusammenfassend hatte Dobbs geschrieben: „Ich wrde mich ungemein freuen zu vernehmen, da man den sinnreichen Verfasser der Anmerkungen ber die Abhandlung und ber die Karte des de l’Isle bei einem so wichtigen Versuche gebrauchte, weil dessen groe Erfahrung auf das grndlichste verspricht, da er solche zu seiner eigenen Ehre wie auch zum Ruhme der Kaiserin von Ruland und des gesamten Reichs glcklich zu Stande bringen wrde.“ [18].

Deslisles Schler Philippe Buache verteidigte seinen Lehrer in dem dreibndigen Werk „Considerations gographiques et physiques sur les nouvelles dcouvertes au Nord de la grand mer, appelle vulgairement la mer du Sud“, Paris 1753-1755.

1755 erschien in der von Formey herausgegebenen Nouvelle Bibliothque Germanique ein anonymer Aufsatz, in dem die Angaben ber die russischen Entdeckungen im Raum des Pazifik kritisch analysiert werden. Der Verfasser verbirgt sich hinter den Buchstaben M.S.E.B.d.A., was als Mr. Samuel Engel, Baille d’Aarberg [19] aufzulsen ist. Hier legt Engel erstmals seine These dar, die er dann in verschiedenen umfangreichen Verffentlichungen weiterentwickelt hat, da Ruland auf seinen Karten aus politischen Grnden sein Territorium um 30 Breitengrade zu weit nach Osten ausgedehnt darstelle.

Auf die weiteren Diskussionen kann ich hier nicht eingehen, es waren viele Publikationen, viele Autoren, die sich in dieser Diskussion zu Wort meldeten. Nur soviel sei abschlieen angemerkt, da James Cook, der auf seiner dritten Weltumseglung 1779 auch in die BeringStrae eingefahren ist, die russischen Angaben weitgehend besttigt hat – das Ostkap Asiens war auf den russischen Karten, nicht wie Engels behauptet hatte, um 300 zu weit nach Osten vorgeschoben worden, sondern noch um weitere 40 nach Osten zu verschieben, also Asien reichte noch 4 Breitengrade weiter nach Osten als auf den russischen Karten angegeben war. Mit der dritten Weltumseglung Cooks enden die in der zweiten Hlfte des 18. Jahrhunderts um die russischen Entdeckungen im Pazifik gefhrten internationalen Diskussionen.

1775 schrieb Mller im „Opisanie moich slub“ (Punkt 27): „Als 1752 Herr Delisle in Paris eine Nachricht und eine Karte ber die whrend der Kamtschatka-Expedition von den Russen nach Amerika gefhrten Seereisen verffentlichte, die mit der Realitt wenig Gemeinsames zeigten, wurde der Akademie aus Moskau der Ukas zugesandt, da dieses Werk durch die Herausgabe eines anderen widerlegt werde, das besser begrndet sei. Aus diesem Anla verfate ich in franzsischer Sprache den ‚Lettre d’un Officier de la Marine Russienne’, der 1753 in Berlin gedruckt worden ist. Diese Schrift wurde von Auslndern ins Deutsche und Englische bersetzt.“ [20].

Da Mller sich selbst als Autor dieser Schrift bekannt hat, wurde nur zum Teil zur Kenntnis genommen – und noch Leonid Stejneger hlt in seiner Biographie Stellers (Cambridge/Mass. 1936) Sven Waxell, einen Offizier aus der Begleitung Berings, fr den Autor dieses Schreibens [21]. Diese These ist durchaus nicht so abseitig, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mag, denn zu den im Moskauer Archiv im Fond Mllers aufbewahrten Materialien gehrt auch das Tagebuch Waxells [22]. Und offensichtlich hat sich Mller bei der Abfassung seines „Schreibens“ an die Aufzeichnungen Waxells gehalten.

1. Nouvelle Bibliothque Germanique, Band XIII, 1753, S. 46-87.

2. Vgl. zur Biographie Mllers u. a. Bsching, Anton Friedrich: G. F. Mller. In: Beytrge zu der Lebensgeschichte denkwrdiger Personen, insonderheit gelehrter Mnner, Teil 3, Halle 1785, S. 1-160;

Pekarskij, Petr Petrovi: Istorija imp. Akademi nauk v Peterburge, Band I, S. Petersburg 1870, S. 308-(Reprint Leipzig 1977); J. L. Black: G. F. Mller and the Imperial Russian Academy of Sciences, Kingston/Montreal 1986; Hoffmann, P.: Gerhard Friedrich Mller (1705-1783). Historiker, Geograph, Archivar im Dienste Rulands, Frankfurt am Main u.a. 2005; Илизаров, С. С.: Герард Фридрих Миллер 1705 – 1783, Moskau 2005.

3. Ausfhrlich bin ich auf diese Vorgnge in meiner ungedruckten Dissertation Gerhard Friedrich Mller – Die Bedeutung seiner geographischen Arbeiten fr das Russlandbild des 18. Jahrhunderts, Humboldt-Universitt Berlin 1959 (Maschinenschrift), S. 195 f. eingegangen.

4. Hoffmann: Gerhard Friedrich Mller, S. 227 f.

5. Андреев, А. И.: Труды Г. Ф. Миллера о Сибири. In: Миллер, Г. Ф.: История Сибири, Band I, Moskau 1937, S. 103.

6. Die Berliner und die Petersburger Akademie der Wissenschaften im Briefwechsel Leonhard Eulers, Teil (Quellen und Studien zur Geschichte Osteuropas, Band III/2), Berlin 1961, Brief 225, S. 307.

7. Louis Bertrand, spter Prof. Der Mathematik in Genf und auswrtiges Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften.

8. Ebenda, Brief 226.

9. Миллер, Г. Ф.: Избранные труды, Moskau 2006, S. 648-662, Kommentar S. 784-786.

10. Ebenda, S. 652 f.

11. Ebenda, S. 658.

12. Ebenda, S. 659.

13. Ebenda, S. 662.

14. A letter from a Russian Sea-officer … together with some observations on the letter by Arthur Dobbs … to which is added Mr. de l’Isles explanatory, London 1754.

15. Dobbs, Betrachtungen ber die russischen Entdeckungen, deren in dem Schreiben eines Offiziers von der russischen Flotte an einem Herrn des Hofes zu St. Petersburg gedacht wird..., Berlin 1754, S. 8.

16. Sammlung Russischer Geschichte, Band 3, S. 17. Hoffmann: Gerhard Friedrich Mller – die Bedeutung seiner geographischen Arbeiten, S. 200 ff.

18. Dobbs, Betrachtungen ber die russischen Entdeckungen, S. 30.

19. Vgl. ber Engel: M. Stuber: Forschungsreisen im Studierzimmer. Zur Rezeption der Groen Nordischen Expedition bei Albrecht von Haller und Samuel Engel. In: Europa in der frhen Neuzeit. Festschrift fr Gnter Mhlpfordt, Band 6: Mittel-, Nord- und Osteuropa, Kln-Weimar-Wien 2002, S. 983 ff.

20. Голичын, Н. В. (Hrsg.): Портфели Г. Ф. Миллера, Moskau 1899, S. 141.

21. L. Stejneger, Georg Wilhelm Steller. The pioneer of Alaskan natural history, Cambridge (Mass.) 1936, Bibliographie unter Waxell, Sven.

22. Выписки из примечаний Свен Вакселя, бывшего при Камчатской экспедиции. Vgl. Голицын: Портфели Г. Ф. Миллера, S. 59, Nr. 426.

Чибилева В.П., Савинова Т.Н.

ИССЛЕДОВАТЕЛЬСКАЯ ДЕЯТЕЛЬНОСТЬ ИОГАННА БЛАРАМБЕРГА В ОРЕНБУРГСКОМ КРАЕ И.Ф. Бларамберг 17 января 1841 г. (1801–1878) в чине поручика прибыл в г.

Оренбург. 14 лет, вплоть до 1855 г., он находился на службе в Отдельном Оренбургском корпусе.

Иоганн Бларамберг родился в 1801 г. во Франкфурте-на-Майне, учился в Гессенском университете, где слушал лекции по математике, статистике, юридическим дисциплинам:

правоведению, естественному, полицейскому праву и др. В 1824 г. он приехал в Россию, принял российское подданство. В Москве он продолжил образование в Институте корпуса инженеров путей сообщения, который считался привилегированным учебным заведением, где изучал русский язык, историю и географию, а также совершенствовался во французской литературе, математике и рисовании – как показала жизнь, все это ему очень пригодилось в дальнейшем. В 1828 г. он окончил его в чине поручика.

Первое его знакомство с Оренбургским краем произошло еще в 1836 г. во время подготовки к третьей Каспийской экспедиции, возглавлявшейся талантливым исследователем Г.С. Карелиным.

Экспедиция на восточные и южные берега Каспийского моря оказалась очень плодотворной. Были проведены новые съемки берегов моря и уточнены имевшиеся карты восточного побережья Каспия, впервые обследованы заливы юго-восточного Каспия и древнего устья Амударьи–Узбоя. Экспедиция побывала в Астрабадском заливе Ирана с целью установки торговых отношений. Живописная природа иранского побережья после унылых пейзажей пустынного северного и восточного Прикаспия поразила путешественников. Выдающимся достижением экспедиции было обследование залива Кара-Богаз-Гол (залив Черной Пасти). Также экспедиция впервые изучает острова Челекен и Огурчинский, отмечая обилие там нефти и соли.

И. Бларамбергом были собраны важные статистические, физико-географические и топографические данные, а также этнографические сведения о туркменском населении прибрежной территории.

Деятельность И. Бларамберга постепенно выходила за ведомственные рамки. Не будучи профессиональным ученым, он, тем не менее, пишет первые, но весьма основательные труды: «Журнал, веденный во время экспедиции для обозрения восточных берегов Каспийского моря в 1836 году», а также «Топографическое и статистическое описание восточного берега Каспийского моря от Астрабадского залива до мыса ТюбКараган», которые были напечатаны в 1850 г. в издании Русского географического общества В Оренбурге ему поручили охранять на опасном отрезке пути до реки Сырдарьи сразу две дипломатические миссии – К. Бутенева, следовавшую в Бухару, и П.

Никифорова, направлявшуюся в Хиву (май-июль 1841 г.).

С этим заданием И. Ф. Бларамберг не только успешно справился, но и приступил на пути следования к сбору материалов о безбрежных степях Казахстана и их населении, а также о смежных с ними собственно российских губерниях.

В 1840-е гг. Бларамберг по своим служебным обязанностям непрерывно разъезжает по землям Оренбуржья и Казахстана (Киргизской степи).

В своих «Воспоминаниях», изданных на русском языке в 1878 г. и содержащих впечатляющее описание Оренбургского периода жизни и деятельности, он пишет:

«…каждый раз, когда я возвращался из степного похода в свой дом в Оренбурге, я чувствовал себя стесненным; казалось, мне не хватает воздуха. Это чувство, которое со временем проходит, охватывает каждого, кто долгое время дышал чистым, степным воздухом, спал в кибитке или прямо на земле и кому горизонтом служила необозримая степь. Только постепенно привыкаешь снова к спертому, комнатному воздуху» [7].

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